Deutsch für Chinesischsprachige

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Ein anonymer Deutschlehrer

Warum diese Seite?

Chinesische Studenten, die nach Deutschland (oder anderen Ländern in deutschen Sprachraum) kommen, müssen einen Sprachtest ablegen, bevor sie mit dem Studium anfangen können. Das Angebot an Hochschulen und Sprachschulen, die Deutschkurse anbieten, ist sehr breit; es gibt auch viele Vorbereitungskurse für TestDaF, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) und für die Sprachprüfungen des Goethe-Instituts. Allerdings sind diese Angebote nicht auf die Bedürfnisse von chinesischsprachigen Deutschlernenden zugeschnitten. Diese Webseite beschreibt typische Probleme und Fehler, die Chinesischsprachigen beim Deutschlernen begegnen.

Grammatik

Das substantivierte Adjektiv

Adjektive and Partizipien können substantiviert werden. Zum Beispiel:

Das Lehr- und Übungsbuch der deutschen Grammatik von Dreyer & Schmitt (2009) enthält eine Liste von häufigen substantivierten Adjektiven and Partizipien; siehe Seite 247-248.

Das substantivierte Adjektiv oder Partizip kann sowohl eine starke als eine schwache Endung haben. Für diese Kategorie von Substantiven gelten die gleichen Regeln wie für Adjektive.

Vergangenheit: Perfekt & Präteritum

Um die Vergangenheit zu beschreiben, kann man im Deutschen nicht das Präsens benutzen; stattdessen braucht man eine Vergangenheitsform, z.B. das Perfekt (vor allem in der gesprochenen Sprache), das Präteritum (vor allem in Texten) oder das Plusquamperfekt.

Wortschatz

langweilig, sich langweilen, gelangweilt

Chinesischsprachige verwechseln oft die Wörter “langweilig” und “gelangweilt” miteinander.

die Langeweile
unangenehmes Gefühl, das entsteht bei Mangel an Abwechslung oder Anregung, oder wenn man nichts (oder nichts Sinnvolles) zu tun hat.
Beispiele: Langeweile haben; aus Langeweile.
sich langweilen
Langeweile empfinden.
Beispiele: Er war vierzig Jahre alt, Abteilungsleiter eines angesehenen Forschungsinstituts und langweilte sich zu Tode. (Die Zeit, 27.08.1998)
Immer wenn ich am Aquarium vorbeigegangen bin, haben meine Goldfische nach Futter gebettelt, obwohl sie längst satt waren. Die langweilten sich bloß. (Die Zeit, 13.01.2005)
sinnverwandte Wörter: von etwas angeödet sein; fast einschlafen bei etwas.
(jemanden) langweilen
jemandem Langeweile bereiten
Beispiele: Die endlosen Vorträge (…) und die meisten meiner Kameraden langweilten mich entsetzlich. (Die Zeit, 20.07.2006)
Er dachte in Schlagzeilen, Details langweilten ihn. (Die Zeit, 26.04.2012)
sinnverwandt: jemanden anöden.
gelangweilt
(Englisch: bored)
langweilig
so uninteressant, dass man sich langweilt. (Englisch: boring)
Beispiele: ein langweiliger Roman; ein langweiliger Gesprächspartner.
sinnverwandte Wörter: einschläfernd; eintönig; humorlos; nicht kurzweilig; monoton; trocken; uninteressant.

sehr versus zu

Die Adverbien sehr und zu haben eine unterschiedliche Bedeutung.
Sehr wird verwendet um ein Adjektiv oder ein Adverb zu verstärken. Zum Beispiel: “ein sehr schönes Gemälde”; “Ich bin jetzt sehr müde.”
Zu wird verwendet, um auszudrücken, dass etwas in einem nicht mehr akzeptablen oder angemessenen Grad zutrifft (zu teuer, zu groß, zu klein, …). Zum Beispiel: “Du bist zu spät gekommen; die Veranstaltung hat schon angefangen.”
Sätze mit “zu” beschreiben meistens etwas, das bestimmte Konsequenzen hat.

Weitere Beispiele:

stammen aus / stammen von

stammen aus
1. aus einem bestimmten Ort oder Land kommen.
Beispiele: Die Zitronen stammen aus Spanien. Er stammt aus Österreich.
2. in einer bestimmten Zeit entstanden sein.
Beispiel: Diese Kirche stammt aus dem Mittelalter.
Die Angaben stammen aus dem Jahr 1966. (Die Zeit)
3. aus einem bestimmten Buch oder aus einer bestimmten Veröffentlichen genommen sein.
Beispiele: Alle Angaben stammen aus wissenschaftlichen Studien oder Umfragen unter Managern, die Stuart Crainer, Chefredakteur der Business Strategy Review, zusammengetragen hat. (Der Spiegel, 08.03.2012)
Dieser Satz stammt aus einem Theaterstück von Bertolt Brecht.
4. aus einer anderen Sprache übernommen worden sein.
Beispiel: Kathedrale und Dom sind dasselbe. Das eine Wort stammt aus dem Lateinischen, das andere aus dem Französischen. (SWR blog, 04.07.2012)
stammen von
von jemandem gemacht worden sein; auf jemands Arbeit zurückgehen.
Beispiele: Die Daten stammen vom Verband deutscher Pfand­brief­banken (vdp) (…) (Stiftung Warentest, 19.07.2016)
Diese Angaben stammen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). (tagesschau.de, 08.08.2016)
Die Flecken auf dem Teppich stammen nicht von mir.
Der Satz stammt von Goethe.